Es gibt Momente beim Schreiben, die sind einfach toll!

Lena Hach ist eine deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin, die bereits 3 Mal hintereinander mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet wurde. Auf der Leipziger Buchmesse 2019 durfte ich sie zu einem Interview am Stand von Mixtvision treffen. Dabei erzählt Lena, dass sie sich nie Notizen macht und vor vielen Jahren von Hessen nach Berlin gezogen ist, genau wie die Hauptperson ihres neuem Jugendbuches „Grüne Gurken“. Lest selbst:

© Lena Hach

K: Schreibst du lieber Kinder- oder Jugendbücher?

L: Ich glaube, das kann man gar nicht sagen. Eine Zeit lang dachte ich, es wären Jugendbücher, weil ich sehr gerne Liebesgeschichten schreibe, aber beim Schreiben vom „Verrückten Erfinderschuppen“ hatte ich mindestens genauso viel Spaß. Ich glaube, es kommt auf das einzelne Buchprojekt an.

K: Wo schreibst du (am Liebsten)?

L: Eine ganz lange Zeit habe ich zuhause am Esstisch geschrieben, und jetzt bin ich seit Neustem in einem Co-working Space. Das ist ein Büro, wo mehrere Leute sind, die sonst allein zuhause arbeiten müssten. Grafiker, Programmierer, Journalisten…Das ist sehr schön, weil ich so zum ersten Mal etwas wie Kollegen und Kolleginnen habe.

K: Sind dort auch andere AutorInnen?

L: Nee, da sind aber andere Leute, die auch kreative Sachen machen. Hauptsache Kollegen!

K: Wann schreibst du?

L: Ich schreibe eigentlich voll wenig. Ich habe nur morgens Zeit zum Schreiben, nachmittags hole ich meine Kinder ab. Ich kann mich auch nur 2-3 Stunden auf das wirkliche Schreiben konzentrieren. Dann mache ich noch andere Sachen, z.B. recherchieren, Mails beantworten, versuchen Instagram zu verstehen (lacht)…

K: Recherchierst du viel für deine Bücher?

L: Für „Grüne Gurken“ habe ich gar nicht so viel recherchieren müssen, aber für andere Bücher, z.B. „Nichts wünsche ich mir mehr“, da musste ich recherchieren. Das Buch handelt von einem Mädchen was starken Haarausfall hat. Da habe ich für die Krankheit recherchiert. Ich habe im Krankenhaus mit Ärzten und Betroffenen gesprochen…

K: Wieso bist du bei 2 verschiedenen Verlagen?

L: Das kam einfach so. Am Anfang war ich bei Beltz & Gelberg, und irgendwann wollten sie 1 bestimmtes Buch nicht drucken, was ich aber schon fertig geschrieben hatte, und dann bin ich, glaube ich, direkt zu mixtvision gegangen. Seitdem bin ich bei beiden. Das ist ganz gut, denn immer, wenn der eine etwas nicht machen möchte, kann ich es beim anderen versuchen.

K: Wie viele Bücher hast du insgesamt schon veröffentlicht?

L: 10 oder 11.

K: Wie lang schreibst du schon?

L: Als Kind habe ich schon gerne geschrieben, und zwar habe ich mir manchmal auch von meinen Eltern Wörter nennen lassen, und daraus ist eine Geschichte entstanden.

K: Ah, das kenne ich!

L: Ja, das ist ein schönes Spiel. Dann habe ich im Büro meiner Mutter am Schreibtisch gesessen und Geschichten ausgedacht, ausgedruckt und an alle verteilt, ob sie es wollten oder nicht.

K: Was magst du am meisten am Schreiben?

L: Es gibt Momente beim Schreiben, die sind einfach toll. Ich weiß nicht, ob das dieser Flow ist, von dem alle reden, aber beim Schreiben gibt es Glücks- und Energiemomente, die sind großartig. Was ich auch mag sind Lesungen. Die mag ich meistens total gerne. Es gibt Lesungen, die sind anstrengend, da sind meistens die Lehrer am Schlimmsten. Und sie tun auch gut, weil das Schreiben an sich ist eher einsam, und bei Lesungen plötzlich auf einer Bühne stehen zu können, das ist eine gute Abwechslung.

Lena Hach und ihr Kinderbuch „Flo und Valentina“. Bild: © Lena Hach

K: Hattest du schon Lesungen von Grüne Gurken?

L: Eine in Berlin, die Premierelesung, und morgen sollte eine in Leipzig sein, aber die wurde leider abgesagt. Und am Samstag lese ich aus meinem neuen Kinderbuch „Flo und Valentina“ vor.

Bei der Premierelesung in Berlin gab es einen Kaufmannsladen voller Süßigkeiten- ich konnte leider nicht live dabei sein.

K: Warst du schon immer Autorin oder hattest du schon andere Berufe?

L: Ich hatte keinen richtigen anderen Beruf. Ich habe ein bisschen als Journalistin gearbeitet, ein bisschen Werbetexte geschrieben, aber ich hatte nie wirklich einen festen Sitz in einem Unternehmen.

K: Wieso schreibst du Kinder- und Jugendbücher, und keine Bücher für Erwachsene?

L: Ich weiß auch nicht, das ist mehr so passiert. Die erste Geschichte, die ein Verlag wollte, war ein Kinderbuch. Vorher hatte ich aber auch schon ein paar Kurzgeschichten bei einem Leipziger Verlag herausgebracht. Ich finde, Kinder sind ein extrem cooles Publikum bei Lesungen. Sie sind interaktiv, verfolgen alles, bei Erwachsenen-Lesungen kommt irgendwie keine Reaktion. Kinder- und Jugendliche erleben vieles zum ersten Mal. Die entdecken noch die Welt. Außerdem war ich selbst gerne ein Kind, und ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern.

K: Liest du auch selbst gerne?

L: Ich glaube, wenn man schreibt, dann ist es gut selbst zu lesen. Ich lese selbst auch viel Kinder- und Jugendliteratur. Wenn ich nicht gerade eine gute Netflix-Serie habe, die mich ablenkt!

K: Sind in deinen Geschichten auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet?

L: Ich glaube, ein Kern hat immer mit mir zu tun. Ich bin wie Lotte von Hessen nach Berlin gezogen, und war von der Großstadt ziemlich überfordert, aber ich war eher im positiven beeindruckt.

In Lena Hachs Jugendbuch „Grüne Gurken“ zieht Lotte, die Hauptperson, nach Berlin. Genau wie Lena vor 12 Jahren. Bild: © mixtvision

K: Also kamst du durch deinen Umzug auf die Idee zu „Grüne Gurken“?

L: Das war vor 12 Jahren, aber es kann gut sein. Vielleicht hat es was damit zu tun, ich kann das gar nicht genau sagen. Ich wollte vor Allem ein Buch machen, in dem die Grafiken von Katja Berlin vorkommen.

K: Arbeitest du schon an einem neuen Buchprojekt?

L: Aktuell arbeite ich an einem Hörspiel für die ARD. Ich schreibe es für die ARD-Radionacht. Das Stück spiel in einem Schwimmverein und ich muss recherchieren, weil ich mich mit Schwimmen nicht so gut auskenne.

K: Ich bin in einem Schwimmverein!

L: Ehrlich? Das ist ja perfekt. Ich brauche nämlich jemanden, der meine Sachen checkt, ob sie stimmen. Ich kenne niemanden, der in einem Schwimmverein ist. Ich habe schon ganz viele Vereine angeschrieben, und nur einer hat geantwortet. Ich komme wirklich auf dich zurück.

K: Super! Etwas anderes: Wenn du einen Tag lang, eine Person aus deinen Büchern sein könntest, wer wäre das?

L: (denkt nach) Vielleicht wäre ich jemand vom Verrückten Erfinderschuppen, weil ich glaube, das ist eine coole Freunde-Gang.

K: Was liest du selbst gerne?

L: Ich lese selbst viel englischsprachige Kinder- und Jugendliteratur, weil sie sehr witzig ist und gute Dialoge hat. Und ich bin ein großer Fan von Katrin Schrocke, die auch bald hier bei mixtvision ein Buch veröffentlichen wird und Anna Wolz, das ist eine Niederländerin die auch sehr coole Kinderbücher schreibt.

K: Wie kommst du generell auf deine Ideen?

L: Einmal durchs lesen und Filme gucken, aber auch dadurch, dass ich mit offenen Augen durchs Leben gehe. Ich mache mir auch keine Notizen, ich hoffe einfach, dass die guten Ideen in meinem Kopf bleiben.

K: Was machst du, wenn du gerade nicht schreibst?

L: Ich habe mir 3 neue Hobbys zugelegt. Das erste Hobby ist Swing-Tanzen, das mache ich mit meinem Freund, das zweite ist Schlagzeug spielen, aber ich habe nur unregelmäßig Unterricht, und ich spiele Impro-Theater. Das ist eine tolle Art, Theater zu spielen. Ja, das sind meine 3 neuen Hobbys. Ich hatte lang keine richtigen Hobbys, weil ich mich viel um meine Kinder gekümmert habe, ein bisschen Sport gemacht habe, aber gerade entdecke ich viele neue Sachen. Muss man glaube ich auch, wenn man auf Ideen kommen will.

K: Was machst du, wenn dir beim Schreiben nichts mehr einfällt?

L: Dann mache ich etwas anderes, gehe spazieren, schwimmen… Ich glaube, dann bringt es nichts dazusitzen und auf den Bildschirm zu schauen, dann muss man etwas unternehmen. Verbissen bin ich dann nicht.

K: Wie bist du auf die Idee gekommen, mit Katja Berlin zusammenzuarbeiten?

L: Wir haben eine gemeinsame Freundin, die mir Katja vorgestellt hat. Und dann bin ich auf sie aufmerksam geworden, habe angefangen ihren Blog zu lesen und ihre Tweets angeschaut!

K: Lustig, dass Katja Berlin mit Nachnamen heißt!

L: Ja, das ist ein Künstlername. Sie hat nämlich immer böse über ihr Büro getwittert, wollte aber nicht, dass jemand herausfindet, dass es ihr Büro ist. Deshalb hat sie sich Katja Berlin genannt. Eigentlich heißt sie Katja Dietrich.

K: Ah, das wusste ich gar nicht! War es für dich am Anfang einfach, einen Verlag zu finden?

L: Nein, ich habe sehr viele absagen bekommen. „Wanted“ ist mein erster Roman, erschienen bei Beltz & Gelberg, und den hatte ich an ganz viele Verlage geschickt. Ich freue mich aber sehr, dass ich bei Beltz gelandet bin.

K: Kamen die Ideen zu den einzelnen Grafiken in „Grüne Gurken“ von dir?

L: Nein, die kamen von Katja Berlin. An Stellen, wo ihr was einfiel, hat sie Grafiken eingebunden.

K: Hat sie auch das Cover gestaltet?

L: Nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass das jemand vom Verlag war oder dass die einen Grafiker dazu geholt haben.

K: Durftest du auch sagen, ob dir das Cover gefällt?

L: Ja, genau. Auf der Buchmesse in Frankfurt wurden mir 5 Cover vorgestellt, von denen ich meine Favoriten wählen konnte. Der Verlag lässt mich schon viel mitreden. Ehrlich gesagt konnte ich mich nicht entscheiden. Ich wusste nicht, ob das Cover zu kitschig ist. Es gab z.B. auch ein Cover mit Papier statt Herzchentüte, aber ich mochte das blau auf dem Cover irgendwie nicht. Ich bin jetzt sehr glücklich, aber damals konnte ich mich nicht entscheiden. Das Cover zeigt halt ganz klar, dass es ein Liebesroman ist.

K: Im Buch spielt der „Späti“, ein Kiosk, eine große Rolle. Gibt es für den Kiosk ein Vorbild?

L: Ich habe mal in Kreuzberg gegenüber von einem Kiosk gewohnt. Als ich das Buch geschrieben habe, hatte ich auch diesen Späti vor Augen.

Auch ein Kiosk spielt in „Grüne Gurken“ eine große Rolle. Bild: © mixtvision

K: Wie bist du auf die Idee mit den Gurken gekommen? Isst du sie selbst auch gerne?

L: ich bin Vegetarierin, aber wenn ich Gelatine essen würde, dann würde ich wahrscheinlich Grüne Gurken essen. Bei der Premiere habe ich auch eine gegessen. Ich habe für das Buch eine Süßigkeit gebraucht, die zu einem Kleingarten passt. Deshalb musste es eigentlich Gemüse sein, es gingen keine Colafläschchen.

Schon der Titel des Buches sagt, dass Grüne Gurken eine große Rolle spielen. Bild: © mixtvision

K: Magst du eher die Jungen oder die Mädchen in deinen Büchern?

L: Das ist schwer. Also in „Grüne Gurken“ die Mädchen. Lotte kenne ich selbst einfach mehr, sie ist die Hauptfigur, und mir schon näher.

K: Sagt der Verlag auch manchmal, dass an den Personen etwas geändert werden muss.

L: Nicht wirklich, aber hier hat der Verlag gesagt, dass die Beziehung zu den Eltern ein bisschen zu schlecht wegkommt und dass ich die Eltern ein bisschen sympathischer beschreiben soll. Das habe ich dann auch gemacht, weil die Eltern nicht zu böse wirken sollen. Generell hat mixtvision eine tolle Lektorin.

K: Ist mixtvision auch ihr Lieblingsverlag?

L: Mixtvision ist wirklich toll. Ich versuche immer, für meinen Sohn Bilderbücher abzustauben, weil sie tolle Bücher haben. Aber eigentlich habe ich nie so auf den Verlag geachtet.

K: Magst du deine Heimatstadt Hessen oder Berlin mehr?

L: Jetzt im Frühling habe ich total Heimweh, vor Allem wegen der Natur. Den Rest des Jahres finde es ich gut, in Berlin zu wohnen.

K: Ich finde die Gurken an den Kapitelanfängen übrigens total schön.

L: Ich auch, das hat sich der Verlag ausgedacht. Sie mussten das Buch wegen den Grafiken sowieso bunt drucken und deshalb konnten sie das Buch noch bunter machen.

K: Wie oft hast du „Grüne Gurken“ selbst gelesen und hast du es nochmal in gedruckter Form gelesen?

L: Letztens habe ich es nochmal auszugsweiße gelesen, weil ich die Lesung vorbereitet habe. Genau kann ich es gar nicht sagen. Die Druckfahne musste ich auch noch 2-mal lesen, um nach Fehlern zu suchen.

K: Welchen Tipp zum Schreiben hast du an mich und andere zukünftige Autoren/Autorinnen?

L: Ich glaube, man muss tatsächlich viel lesen und andere Leute anschauen. Was man gut findet muss man auf seine eigene Art versuchen nachzumachen (lacht). Man sollte sich nicht entmutigen lassen und Feedback von anderen abholen. Sag: „Zeig mir die Stellen, die du langweilig findest, die du nicht verstehst, denn an diesen Stellen steigen die Leser oft aus.

Danke für das Interview!

Meine Rezension zu „Grüne Gurken: https:buchlabor.home.blog/gruene-gurken/